Er überlebte die Eiszeit und Hiroshima. Er ist Pilgerort und Quelle für Medizin und Kosmetik. Der Ginkgo-Baum ist ein Alleskönner.
Der Ginkgo-Baum ist eigenwillig. In die Kategorien Laub- oder Nadelbäume lässt er sich nicht einordnen. Er gilt als ältester Baum der Welt – es gibt ihn bereits seit 290 Millionen Jahren. Wegen seiner Resistenz gegen Schädlingsbefall und seiner Anspruchslosigkeit ist der Ginkgo als Stadtbaum weltweit beliebt. Für viele Menschen ist der Ginkgo von grosser Bedeutung. Der Grund dafür liegt in erster Linie in der asiatischen Philosophie.
Der Ginkgo wird in enge Verbindung mit Yin und Yang gebracht: mDie aufstrebende Wuchsform des Ginkgo repräsentiert das Yang und wird mit Lebenskraft gleichgesetzt, während die Blätter aufgrund ihrer fächerartigen Form das Yin, Sanftheit und Weichheit, darstellen. Dieses Zusammenspiel entwirft ein Symbol für Harmonie. Zusätzlich steht der Ginkgo für Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit – manche Bäume werden bis 4000 Jahre alt. Schon früh wurde er als Tempelbaum verehrt. Hiroshima hat seinen Mythos in alle Welt getragen: Als die Atombombe 1945 über der Stadt abgeworfen wurde, ging auch der Tempelbaum in Flammen auf – im darauffolgenden Frühjahr sprossen bereits wieder neue Triebe.
Keine chemische Nachahmung möglich In Asien wird der Ginkgo unter anderem als Nahrungsmittel genutzt. Ginkgopflaumen schmecken süss. In Japan dienen sie unter anderem als Beilage zu Fisch. Geröstete und gehackte Kerne dienen als Gewürz in der asiatischen Küche. Zudem ist der Ginkgo ein beliebtes Heilmittel. Seine Blätter dienten schon im Mittelalter zur Behandlung von Asthma, Bronchitis, Erfrierungen, Gonorrhoe, Hautkrankheiten, Husten, Magenleiden, Tuberkulose und Unruhezuständen. Heute werden er vor allem zur Förderung der Durchblutung genutzt. Grund für die positive Wirkung auf den Menschen ist vermutlich die hohe Konzentration an Flavonoiden und Terpenoiden. Letztere sind nur im Ginkgo zu finden. Bisher ist es nicht gelungen, die Stoffe synthetisch herzustellen.